Jan und ich haben uns letztes Jahr überlegt, wo es denn dieses Jahr hingehen soll, fest stand dabei, dass wir wieder vermehrt Offroad fahren wollen. Und dann kam es, einige aus dem Forum waren in Marokko, sie waren begeistert und berichteten davon. So hat man sich selbst ein wenig schlau gemacht und entschieden, es soll Marokko werden. Doch wie dahin kommen, wie viel Zeit und wann? Nun, wenn Jan an Land ist, hat er mit Zeit kein Problem und ich habe genug Urlaub im Jahr. 42 Tage *HUST* ...
Wir entschieden uns wie Miro, Tobi und ihre Bande mit der Fähre zu fahren. Wir haben uns für September/Oktober entschieden. Wir wollten nicht bei 40°C nach Marokko, sondern es halbwegs angenehm haben. 35°C wurden es dann dennoch, wie erwartet.
Und so ging es an die Planung. Wie immer haben wir uns nur einige grobe Ziele gesetzt, doch mithilfe des Internets vorher auch einige Straßen bzw Strecken heraus gesucht wo wir langfahren wollen. Tagesetappen, Übernachtungen und die Richtung wird wieder alles Adhoc entschieden. Die Zelte haben wir zuhause gelassen und in Hotels/Pensionen geschlafen. Das spart einfach Gewicht und war vergleichsweise günstig. Also Werkzeug, Ersatzteile und Klamotten eingepackt... vor allem für die An- und Abreise warme Klamotten und Regenschutz. Das haben wir auch gebraucht! Leider hat es viel Platz weggenommen. Nicht anders die ganzen Ersatzteile... wir haben eigentlich nur einen Ersatzschlauch und einige Kabelbinder gebraucht, aber man weiß ja nie. Und in Marokko was zu bekommen ist nicht einfach.
So vorbereitet konnte es dann los gehen!
Stage 1 - Die Anreise:
Um zeit zu sparen habe ich mein Motorrad vor dem Urlaub zum Basti gebracht um so entspannter anreisen zu können. Es war auch sehr entspannt! Jan hat von Hamburg bis Lörrach den Autozug genommen und hatte es entsprechend auch entspannt bis hier hin. Er war auch erst 2 oder 3 Tage wieder an Land zu dem Zeitpunkt. So kam es ihn auch gelegen.
Wir verbrachten einen entspannten Abend beim Basti, mit superleckerem, selbstgemachtem Curry, Bier und vielen Gesprächsthemen.


Am nächsten Morgen ging es los. Wir hatten ca. 600km und 1,5 Tage Zeit um nach Genua zu kommen. Also entspannt. Ursprünglich wollten wir über Andermat und den Gotthard, doch der war am 13. September wegen Schnee gesperrt.... Also mussten wir durch den Berg hindurch. Von Luzern aus hieß es dann Regen und einstellige Temperaturen. Gut, dass ich bereits 2 Regenjacken dabeihatte und Basti mir noch eine dazu Geschenkt hat. Dabei hatte Jan an dem Tag Geburtstag. Mal wieder während der Tour, das ist jetzt das 3te mal das wir zu seinem Geburtstag unterwegs sind. Also ist es Quasi schon eine Tradition
Die Fahrt war unspektakulär auf der Autobahn, wir haben uns durch den Stau vorm Tunnel geschlängelt und im Tunnel waren es dann über 30°C. Auf der anderen Seite wurde es immer wärmer und bei Livigno sind wir dann abgefahren von der Autobahn. Dass dies keine gute Idee war, mussten wir später leider feststellen. Es ging im Schneckentempo des Berufsverkehrs weiter. Als wir dem Entflohen waren, ging es am Lago di Maggiore vorbei... Vmax 60, nur Luxusvillen, unendlich viele Autos. Ehrlich, schön an zu sehen, aber nicht schön zu fahren :-/ Wir haben eine kleine Bergstraße gefunden, wo wir dann auch uns entschieden in der Gegend ein Hotel zu suchen. Bezahlbares gab es natürlich nicht am See
Dann am nächsten Tag auf nach Genua. Die Fahrt dorthin ist recht unspektakulär und plattes Land. Erst kurz davor wird es wieder Bergig und wir sind einer kleinen feinen Straße gefolgt, die uns eine schöne Aussicht bescherte bevor es in die Stadt ging. Der Verkehr hier, war entgegen dem was man sich vorstellt, tatsächlich aushaltbar. Wir waren auch recht schnell am Hafen. Und nach einigen Rumfragen, kaum vorhandenen Kontrollen, standen wir auch schon vor dem Schiff.


Nach einer kurzen Wartezeit konnten wir rauffahren. Es standen schon einige Motorräder bereit, doch zuerst durften nur die nach Tanger rauf. Und das waren nur 6. Wir waren schon überrascht.
Die Überfahrt war dann auch unspektakulär, was soll auch passieren auf einem in die Jahre gekommenen Schiff? Aber Jan hat erstmal einen Rundgang gemacht und gecheckt ob alles i.O. ist... was will man von einem Schiffsingeneur auch anderes erwarten. Einige interessante dingen fanden wir dann auch


Am 16.102024 kamen wir dann 1 Std früher als geplant im Dunkeln in Tanger MED, dem Überseehafen von Tanger, ca 50km von der Stadt entfernt an. Vom Schiff sind wir dann recht schnell runter und auch die Einreise ging echt Fix. Dann noch Bargeld und Versicherung, die man sich in Marokko gut bezahlen lässt! Umgerechnet 95€. Danach ab ins Hotel, das am Hafen ist.

Stage 2 - Der erste Tag:

Nachdem wir nun eine Simkarte besorgt und getankt haben sollte es direkt Los gehen. Jan, der auf dem Schiff sagte "Nautiker müsste man sein" (weil die nur Kuchen essen und den Möwen in den Arsch gucken – O-Ton von Jan) hat die Aufgabe des Navigators übernommen. Und so hat er die erstbeste Offroadstrecke angepeilt. Und so haben wir erste Erfahrungen mit Marokkanischen Straßen gemacht. Stahlbetonstraßen, wo die Armierung raus schaut... Das will man nicht im Reifen haben! Es ging aber weiter und so führte Jan uns in einen Eselspfad, mit etwas anderen können auch die Einheimischen dort nicht lang kommen! Gut manch Endurofahrer hätte uns ausgelacht, aber am Ende sind wir immer noch irgendwo im Anfängerstadium unseren könnens.... oder meines.


Kurz nach der Tortur, mussten wir das erste mal etwas Fixen. Das originale Werkzeugfach der CRF ist nicht sonderlich stabil und scheint die schweren Taschen ohne Halter wohl nicht zu mögen und so schliff das Werkzeugfach am Reifen. Mit einem Spanngurt konnte Jan das wieder Fixen. Weiter ging es. Über Tétouan, sehr feine Schotterstraßen, an riesigen Hanffeldern vorbei bis nach Chefchaouen- der Blauen Stadt.



Die Großteiles nur für uns Touris blau angemalt wurde... Aber dennoch war sie sehenswert. Wir hatten ein nettes kleines Hotel am Rand der Altstadt, oder wie es hier heißt Medina. Als wir herumgelaufen sind, wurden wir bestimmt 5 mal angesprochen ob wir Gras kaufen wollen... Abends wurden wir dann am Hauptplatz alle 5m penetrant angesprochen zu ihnen in ihrem Restaurant zu kommen. Ein einfaches Nein, klares Desinteresse reichte hier nicht aus, weiter gehen zu können. Wir haben uns, nachdem wir 2 oder 3 abschütteln konnten, etwas abseits in einer Nebenstraße was gesucht. Und es im Grunde nicht bereut. Die Tische wirkten wie ein Sarg und meine Zimt-Zucker-Safrannudeln mit Hünchen war doch recht... interessant








Stage 3 - Auf nach Fes:


Wir stellten fest, dass unsere Motorräder die Nacht bewacht wurden! Und so konnten wir ruhigen Gewissens weiterfahren. Nach einigen Kilometern merkte ich am Hinterrad das da was schleift. Ich habe angehalten, festgestellt dass an der Kennzeichenhalter abgebrochen ist und noch an den Kabeln der Kennzeichenbeleuchtung hing - und Stefan sagte beim Treffen noch, das wird abbrechen... - Nun wir standen nicht weit von einer Werkstatt entfernt, ich musste Jan davon überzeugen, dass er die Abbruchkante nicht abbrechen kann und die das eben Abflexen können. So auch geschehen. Auch wenn die Flexscheibe, eine stark Abgenutzte Schruppscheibe war. Ist ja nur Alu. So konnten wir es mit Spanngurt und Kabelbinder wieder befestigen, ohne das ich mir beim Aufsteigen alles aufreiße. Weiter ging es!


Wir fanden eine interessante Moscheeruine an der wir Pause machten. Schade um das Gebäude, sind die restlichen Moscheen im und auf dem Land doch alle von außen so gleich und die war halt alt und hübsch. Dachte sich auch der Hund, der sich da entspannte.




Weiter ging es! An einen der vielen Stauseen Marokkos vorbei. Feine Schotterstraßen in einem sehr schönen Wald. Leider ohne Bilder, weil eine gewisse Person für Fotos und Interessante Sachen nie anhält und immer weiter fährt D: (O-Ton von Jan: Weil der Autor nichts sagt. - O-Ton Autor: Am ende Meckert er eh, wir hätten das schon 100 mal gesehen
So kamen wir in Fes an. Noch auf den Motorrädern wurden wir angesprochen, ob wir ein Hotel oder Garage suchen würden. Zum Glück haben wir das schon alles. Das Hotel war auch direkt neben der Medina und hatte - Katzen









Stage 4 - die Grotte:


Jan und ich hatten auf der Fähre einen Marokanischen Youtube Moto Vlogger (Lotfi Explorer - YouTube) kennen gelernt. Dieser hatte uns einige Tipps gegeben, wir hatten auch einige Strecken von ihn bereits vorher heraus gesucht gehabt. Und so sollte es heute zu einer Höhle (Grotte Chaara) gehen, die man besichtigen kann.
Nachdem wir Fes verlassen haben, ging es auch wieder auf Unbefestigte Straßen, durch die Dörfer und später rein in den Nationalpark Tazekka. Anfänglich war es eine schöne Schotterautobahn, die sich in Serpentinen den Berg hinauf schlang. Doch schlagartig war das vorbei und wir befanden uns auf einer Hochebene. Wir die zu der Generation gehört, die mit PC Spiele und co aufgewachsen sind, dachten zuerst es wäre eine Steinlagerstätte aus Siedler 3. Unglaublich schön dort. Wir haben gescherzt und sind gefahren. Die Fahrt über diese wunderschöne Hochebene dauerte leider nicht lange und so kamen wir in einen Wald, wo die Grotte zu finden sei. Doch war dem nicht so, und auch wenn, gäbe es dort vmtl kein Touristenzentrum wo man mal eben eine Tour mitmachen kann. An dem Ort, wo wir die Grotte vermuteten und nicht fanden haben wir Pause gemacht und die Aussicht genossen. Vmtl war sie unter uns... Aber wir sind halt keine Bergziegen - Auch wenn die Bärte anderes vermuten lassen. Nach der Pause, hat Jan sein Kennzeichen fixen müssen, es war fast durchgerissen.







Wir entschieden uns diesmal, kein Hotel in einer Stadt zu nehmen, sondern bei einer Familie die im Nationalpark lebt unter zu kommen. Und wieder gab es Katzen



Stage 5 - Ab in den Atlas:

Nachdem wir die 3 Tage in Marokko immer nur ca 160km gefahren sind, wollten wir heute etwas Strecke machen. Aber zuerst mussten wir in die nächste Stadt Taza um Tanken zu können, denn bis Missour, das sind ca. 200km, kommt keine Tankstelle. Unsere Reichweite ohne Reserve beträgt 300km, mit Reserve ist Jan bei 380Km Leer (Wir hatten das letzte Jahr ausprobiert...









Stage 6 - No Imilchil, wuuusch:

Heute sollte es Offroad werden! Hinter Midelt sind wir auf die Schotterautobahn gefahren und wollten Richtung Imilchil, inmitten des Hohen Atlas. Doch dort sollten wir heute nicht mehr ankommen. Als es dann richtig los gehen sollte, wurden wir angehalten. Eine Nette Dame erzählte uns, dass wir nicht nach Imilchil kämen. Grünschnäbel wie wir waren, dachten wir, wir schaffen das schon. Sie hatte uns auch zum Tee eingeladen, das obwohl sie in einem Mülltütenzelt lebte - damit extrem arm ist, doch wir wollten weiter und haben die Einladung ausgeschlagen. Nicht sehr viel weiter Trafen wir auf einige Arbeiter, wir fragten ob die Straße frei wäre, ja wäre sie. Also weiter, wir Trafen einen Hirten. Auch er sagte "Imilchil, no, Straße Wuuusch". Wieder wollten wir nicht hören. Jan hat ihn an seinem Finger noch verarztet und dann sind wir weiter.

Dann standen wir davor, eine Gerölllawine die uns den Weg versperrte. Wir haben uns durchgekämpft. Auch indem wir das Gepäck abgenommen haben. Ein Junge hatte uns sogar durch die Geröllawine gelotst. Doch als wir durch waren mussten wir feststellen, dass die Straße komplett weg war. Wir hätten einen alternativweg nehmen können, über eine steile auffahrt, doch das haben wir uns dann doch nicht zugetraut. So ging es über die Gerölllawine zurück und Richtung Jaffa.



Doch auch dort sah es nicht viel besser aus. Wir fuhren im ausgetrockneten Flussbett, mussten die Fahrspur suchen, sind viel zu Fuß erkunden gegangen und haben uns durchgekämpft. Diese Jaffaschlucht ist eine Straße und ein Fluss zugleich, entsprechend ist der Untergrund und die Fahrspur muss immer neu gesucht werden. Das war nicht leicht für uns, auch an einer Engstelle, doch es war Geil und hat sich gelohnt! Kurz vor dem ende der Schlucht, als diese wieder weiter wurde kam uns eine Gruppe mit 4x4 entgegen. Wir erzählten ihnen von der Engstelle, doch sie wollten uns nicht glauben, dass sie da nicht durchkommen werden.







Wir sind bis hierhin vlt 50-60km gefahren und es wurde schon langsam Nachmittag. Also bis Imilchil kommen wir nicht mehr. Also habe ich eine Unterkunft mitten im Nichts raus gesucht und diese haben wir dann als Tagesziel genommen. Wir kamen auch erst gut voran, doch stritten wir uns, wie und wo es nun weiter geht. Garmin hat nicht die geilsten Karten von Marokko und dazu ist das Zumo XT auch nicht gerade das beste Navigationsgerät. So mussten wir an dem Tag noch ein paarmal umdrehen. Entweder ging es auf einen steilen Eselspfad oder in eine Sackgasse. Nach dem studieren der Karten auf dem Navi und Google stellte sich heraus, dass wir eigentlich nur auf die andere Seite des Flusses müssen. Doch es gibt keine Brücke und Garmin kennt keine durchfahrt. Irgendwann konnten wir uns dann auf eine Flussdurchfahrt (Adventurebingo?) einigen und diese auch ohne Navi finden. Doch bevor wir durch den Fluss gefahren sind haben wir vorher noch ein paar Äpfel gekauft, die grad Frisch geerntet wurden. Als ich anhielt, kamen sie schon an mit 5 Äpfeln und wollten eigentlich gar nichts haben. Sie haben sich einfach so gefreut, dass wir Touristen dort lang kommen. Generell hielt diese Freude bei den Menschen und besonders Kindern an.
Weiter ging es, Richtung Tagoudit, ein Dorf inmitten des Atlas auf ca 2000m. Es fing an zu Regnen und so haben wir uns grad die Regenjacken übergeworfen. Doch wirklich geregnet hat es nicht, aber für die letzten 20km ziehen wir das nicht mehr aus. Dachten wir... Nach einer Abzweigung ohne Richtungsschild, landeten wir auf einer Straße, die einst von einer Flut weggespült wurde. Doch gesperrt war nichts. So fuhren wir “unbeirrt” weiter, mehrere Gerölllawinen und eine Engstelle, an der wir gerade so mit den Motorrädern durch passten weiter mussten wir 7km vor dem Ziel Feststellen, es geht nicht weiter! Die Straße ist weg! Jan ist gut 1,5km gelaufen um das festzustellen.




Es wird Spät und bald dunkel. Nun habe ich mich beim Drehen auch noch hingelegt und mir die Hand geprellt. Der Fluss an der Engstelle ist auf ein vielfaches angeschwollen und war blutrot. Auch wurde es etwas Kälter. Ich weiß nicht warum, aber all das hat mich so gestresst, vlt auch die Schmerzen in der Hand, die ich vor 2 Jahren mir Gebrochen hab, dass mein Kreislauf in den Keller ging. Als wir dann endlich an dem Hotel ankamen, denn es wurde eine neue Straße gebaut, die nur kein Navi fahren will, konnte ich nicht mehr allein vom Motorrad absteigen. Unsere Süßigkeiten aus Fes, der Hilfe von Jan und dem Betreiber, als auch einiger Kniebeugen später, war mein Kreislauf wieder normal. Die Hand trotzdem "Kaputt". Nun, der Betreiber der Herberge, die außerordentlich gut geheizt war, ist Bergführer. Er hat direkt eine „Berbersalbe“ (die eigentlich Tiger Balm war) aus seinem gut gefüllten Medikamentenschrank geholt und mir damit die Hand eingerieben und massiert. Danach wurde die mit einem Eisblock aus dem Gefrierfach eingefroren. Nichts mit einem Handtuch dazwischen.


Fortsetzung Folgt...












































































































































































