Heute war ein guter tag!
Es begann schon gleich nach dem aufwachen, als ich zum einen bemerkte, dass ich noch das leben habe und mich sogleich darüber freute (was ja im engen sinne des menschlichen seins völlig untergeht, dass es gar nicht so selbstverständlich ist, dass man am morgen immer wieder aufwacht, in Anbetracht all jener, die des nachts still und heimlich aus dem irdischen verscheiden, und dann gar nicht mehr über diesen umstand nachdenken können..) denn zum anderen hatte ich mir für heute ein kleines Abenteuer vorgenommen, auf das ich mich sehr freute.
Abenteuer haben ja den Zauber inne, dass man zwar eine Gedankengerüst zur Ausführung dessen im innersten trägt, aber eben noch keine Details kennt, und eben derer man sich ja freut, diese alsbald nach dem start ins unbekannte live erleben zu können….wie spannend also:
Durch unsere letzte ausfahrt im stammtischgefolge mit Lambert als leithamml, welche ja auch zugleich die erste war, wurde ich am weg über den pfaffensattel, beim wedeln durch die herrlichen kurven, begleitet durch nicks auspuffknattern vor mir, und der sich anbahnenden qualmenden bremsenpanne der KTM hinter mir an eine ausfahrt vor vielen jahren inspiriert, die ich allerdings auf einer verwahrlosten und aber nicht minder geilen LC4 absolvierte, und die mich hoch zu rosseggers schutzhaus im joglland führte, und dann noch weiter über die ganz-alm nach mürzzuschlag.
Viele jahre sind da ins land gezogen, und unzählige gesetze sind verfasst worden über forstsrassen und almen und wo man was nicht mehr darf, seither, und so stand die frage im raum, ob man diese almüberquerung überhaupt noch legal durchführen kann….soweit also die these.
…und heute sollte der beweis folgen, wenn möglich.
Die big ist frisch geölt, alle ketten gespannt, alle filter neu – und so schwinge ich mich nach dem tanken und der obligaten reifenluftkontrolle bestückt mit zwei litern wasser, ein wenig bordwerkzeug und einer kamera aufs moped und starte entlang des wienerwaldsees in richtung hochrotherd. Ich muss hier erwähnen, dass ich im wunderschönen wienerwald leben darf, ein privileg wie ich finde, im sogenannten speckgürtel der stadt, wo es an allem alles im überfluss zu geben scheint. Besonders für biker.
Der see ist schon mal ein ziel, um hier zu verweilen, um ihn zu erforschen mit seiner vielzahl an brutvöglen, bibern und kleingetier….hier in der nacht einen spaziergang zu machen kann ich jedem nur sehr ans herz legen…da geht was ab…..
…hier also vorbei und ab in die botanik, keine ampeln, keine lästigen pensis, die den ganzen tag im 2.gang verweilen…nichts…nur gegend, und was für welche….
Am weg durch die felder und wälder führt mich mein gewählter weg vorbei an mayerling, dem sagen und geschichtsumwobenen entlagerplatz des sich selbst entleibten rudolfs und seiner gespielin mary….von welcher ja erst vor ein paar tagen irgendwelche briefe zum vorschein kamen….mögen sie seelig ruhen, die beiden…ich fahre gemütlich in richtung maria raisenmarkt, als ich gerade an den kronprinz dachte, und wieso er zu feig war allein zu sterben, als sich plötzlich etwas neben mir emporhob. Aus dem augenwinkel sah ich einen durch mein VWKäfergesäusel der BIG emporgeschrecken schwarzstorch, der behäbig mit dem start seines ganzen flugapparates beschäftigt war, und neben mir schwer flügelschlagend ein take off zelebrierte… welch eine kulisse…
…ich reduziere die geschwindigkeit, um dem vogel eine chance zu geben und siehe da, tatsächlich holt er auf, und fliegt dicht neben mir, sodass ich in genialer manier seine orangen füße und seinen langen, ebenfalls orangen schnabel beobachen konnte, wie er majestätisch genial mit kräftigen schwingenschlägen (?! – ja , schon wieder) gen himmel zog….ein herrliches schauspiel…
Nun, die reise nach pottenstein war ein traum, herrliche kurven und wälder wechseln sich hier ab, das licht der sonne bricht wie durch ein Kaleidoskop und tänzelt über den asphalt. Der tag ist gut gewählt, am himmel nur wattewolken.
Weiter geht’s bergauf, über den hals nach pernitz, und hier beginnt ja das eigentliche bikerparadies. Ein talkessel, kaum ein paar gute steinwürfe breit, aber dennoch von einer idylle charakterisiert, dass es einem das herz wärmt, während man das moped genüsslich durch die unzähligen kurven und kehren und der anhöhe samt marterl und waldgashaus tänzelt.
Der gummi des K60 und der fast frische asphalt verstehen sich blendend, obwohl völlig unterschiedlicher beschaffenheit, fällt mir ein dass beide aus erdöl gemacht sind. Wohl der grund der kongenialen haftung in den kräftig getourten kurven…
Von pernitz über gutenstein, dann weiter über das klostertal in richtung höllental….das war auch der weg unserer letzten ausfahrt. Und alle die da mit waren werden es bezeugen: das höllental ist eine wucht für sich….ein smaragtenes wasserband schlängelt sich im unteren der schlucht, währen man auf der straße sich schlängelnd und der fahrdynamik folgend mal rechts mal links fallen lassen kann, um immer und immer wieder neu aus den schier nie enden wollenden kurven immer neu zu beschleunigen….wie viele –zig male ich da schon durchgewedelt bin….bei sonne und immer wechselnden lichterspielen an den rechts und links emporsteigenden Felsmassiven….ein schauspiel erst im gewitter, wenn sonne und schwarze wolken, regen und donner ihr Arrangement leben…da weiß man, wie Lambert sagte, warum man dem tal den namen gab…
Eine horde BMW Gssen kommt mir entgegen, die ersten biker seit meiner abfahrt…ich grüße in bikermanier, doch die herrn sind zu beschäftigt um zu erwiedern. Tja, ESA, ASR, ABS, ETC…und all die verschiedenen MODI, - da ist keine hand frei, und kein auge, da herrscht deutsche disziplin. Und beide hände am lenker. Sonst leuchtet ein warnlicht….
Weiter geht’s durchs tal, als in einer parkbucht, schön aufgefädelt ein ganzes arsenal an ferraris aufaucht…herrlich dieses farbenspiel der dort geparkten, roten boliden im wechsel mit dem licht das durch bäume und felsformationen bricht….die fahrer stehen an der leitplanke und beobachten die badenden, die drunten im smaragten bach ihre abkühle finden, und sich im vom weisen kies reflektierenden sonnenlicht wärmen und aalen… am straßenrand hingegen, in ihren knappen shortys, ihre silikongepimten Trophäen, die kuddernd und im selben RAL-blond winke-winke machend mein daherrollen kommentieren…..mit einen echten(!) lächeln winke ich zurück und drücke mein gelbes entlein am lenker, und die stimmung der kuddernden verdoppelt sich schlagartig. Ich atme aus und fahr weiter..
In reichenau an der rax verlasse ich den erst am Samstag gefahrenen pfad und biege in richtung Prein, um aber gleich wieder links in Richtung Semmering zu wechseln….hier ist ein einstieg zur auffahrt nach semmering ort, der am grad des bergmassives parallel entlang der rax verläuft…und der ausblick hier ist sagenhaft…
Ein geschlänge durch wald und wiese um dann bei orthof wieder abzufallen in die andritzgräben, ein kleines labyrinth aus schluchten und felsvorsprüngen und einem einstieg in ein wandernezt höheren anspruches. Wer je auf spektakuläre weise den semmering zu fuß besteigen will, soll hier her kommen und an dieser treppe einsteigen…
Ein besonderer leckerbissen am weg nach semmering ort ist das passieren der berühmten ghega-bahn strecke. In unzähligen doppelviadukten schlängelt sich die eisenbahn noch heute dem berg empor. Wie lange noch kann man nicht sagen, und es zahlt sich aus ein wenig zeit zu verweilen, um einen zug abzuwarten, um um dem schauspiel innezuwohnen, wie sich der stählerne wurm über die viadukte windet.
Über den pfaffensattel geht’s nach rettenegg, dem einstieg zur pretul-almstraße. Gut gekennzeichnet und bestens asphaltiert geht es der alm empor, acht, neun kilometer, bis ein schranken den weg versperrt. Bauersleute, kinder und handwerker sind im freien und helfen alle gemeinsam beim eindecken eines alten stadls. Ein kleines, etwa 7jähriges mädchen kommt angelaufen und lächelt mir mit dem klassischen volksschulgebisslächeln entgegen…:“wennst weiter auffi fahren mogst, mog die mamma AN euro ham“. Ich stell den einzylinder ab und krame im meinem geldbeutel: „einer für die mamma, und einer für dich“ bedanke ich mich bei dem mädel, die freut sich, rennt ins haus und die mamma öfnet den schranken. Hier frage ich auch zum ersten mal zaghaft, wie denn das mit der weiterfahrt nach dem rosseggerhaus wäre, obs da noch eine erlaubnis gibt….sie sieht mich an, dann das moped und meint: „ na de strosssn is des kane, des is a wanderweg, ziemlich kaputt…aber wennst foan mogst – drei euro fürn wegerholt“…
…sie wird meine freude gefühlt haben, als ich ihr meine versicherung gab, nicht zu rasen, und auf kuh und wanderer acht zu geben…
Da war es nun also, das abenteuer. Es ist wahr geworden, denn der weg war noch befahrbar….ich schraube mich aufwärts, dem asphalt ist schotter gewichen, und ich folge des leithammels rat, dem vorderrad wenig beachtung zu schenken, und stattdessen mit dem hintern und er gashand zu lenken…der schotter ist sehr fein und das driften macht mit jeder kehre mehr lust. Beständig rattert das hinterrad dem fahrgestell nach…ich muss lachen…und freu mich wie als kleiner bub, als ich zum ersten mal mit dem fahrrad beim bremsen das hinterrad blockierte…
Auf rund 1600m ist schluss, und das rosseggerhaus stellt sich quer und gibt freundlich empfang für angekommene aller bewegungsmöglichkeiten. Sogar die polizei ist da. Zwar okaviamäßig, aber immerhin.
Ich parke die BIG ins rechte licht, mach zwei bilder und schlendere leichten fußes zur terrasse um ein gebilde von kaaspress/leberknödel/fleischstrudel – suppe zu ordern, dass ich mit kulinarischem höchstgenuss nur weiterempfehlen kann!!
Zimmer haben die auch da oben, 35.- pro nase und frühstück. Die nummer der chefin hab ich natürlich (nur falls es uns mal hier her verschlagen sollte)…
Nach dem suppenessen und dem kurzweiligen palaver mit wanderern, die vom stuleck hier herüber gekommen sind in 2 stunden, und der gewissheit dass ich mit der BIG da nicht fahren darf, freu ich mich auf die ganz-alm, die mich über den bergrücken zurück ins tal nach mürzzuschlag bringen wird.
Und auf kühe. Und die schlechte strasse…
Und ich wurde nicht enttäuscht. – für strassenreifen ist das nix, klar, fahren kann man damit, aber die leiden hier und ein früher tod derer ist wahrscheinlich. Sehr spitze felsen und gesteinsbrüche überall…und ein elektrozaungatter….wie zwei startgeräte beim schirennen vorm starterhäuschen. Nur größer. Mit einem hinweisschild – vorschicht strom! Na bravo. Und zwei gekennzeichnete stellen wo man sie anfassen kann zum öffnen. Nur wie soll das gehen. Ich sitze am moped.
Naja. Das tier in mir sagt: einfach durch! So mach ich es auch, einfach gas und durch, die BIG ist ja eh aus plastik, da kann nix sein…..und ab durch die mitte….
Welch herrlicher ausblick überall….es tut einem fast leid, dass man wieder runter muss, aber der weg ist ein spass und schotterknischen gepaart mit dem bollern des auspuffs versüßen den abstieg nach mürzzuschlag.
Drunt im tal beschließe ich kurzer hand noch übers preiner gschaid zufahren, und wollte einen besuch beim almgasthaus moasser in einem seitental der rax einschieben um endlich einen kaffee zu trinken….aber leider haben die heut ruhetag….nun, die geile 5km schotterpiste wars wert mal hin und auch wieder zurück zu driften….
Der abstieg zurück nach prein und weiter nach reichenau zeigt noch einmal die rax in der abendsonne…eine herrliche kulisse im farbenwechsel. Man könnte hier verweilen und ganze reiseberichte schreiben….ein wenig tat ich das hier und dann fuhr ich weiter, schwanger von gedanken und eindrücken, die in meinem kopf in sätze und bilder geformt meine ankunft zu hause erwarten mussten, um des tages abenteur zu text zu bringen…
…ich hoffe ihr hattet ein wenig zeit und ein kleines kopfkino konnte für ein paar minuten mit dem erlebten verschmelzen…
Würd mich freuen, die tour mal mit euch live zu teilen….
…morgen geht’s ans meer, ein paar tage
Liebe grüße
Richard
hier noch die karte vom pretul und der ganz alm...
