Der Erlkönig
Wer rollt so spät durch Nacht und Wind? Es ist der
Vater mit seinem Kind! Der Sohn sitzt im Beiwagen -
sicher und warm. Der Vater fährt Zick-Zack, dass es
Gott erbarm.
"Mein Sohn, was birgst du so bang dein
Gesicht?" "Siehst Vater du den Laternenpfahl
nicht?" "Das Pfählchen, das kleine, wozu das
Geschrei?" -spricht er und saust schon vorbei.
"Mein Vater, mein Vater, spürst du nicht die
Nässe? Es fängt an zu regnen, mir tropft 's in die
Fresse." "Halt den Mund, der Regen erfüllt
seinen Zweck! Und der Motor klebt auch schon vor
Dreck."
"Vater, oh Vater, und siehst du nicht dort -
'ne Gans auf der Straße - ach scher' dich
doch fort!" "Das Mistvieh das seh' ich,
ich bin doch nicht blind - die fahr' ich jetzt um
ganz geschwind!"
"Da kommen wir gleich zu 'nem billigen Essen,
auf so einen Braten war ich lang schon versessen.
'Ne Gans ist zu teuer, die können wir nicht kaufen
- jetzt kommt 'se von selbst vor die Karre
gelaufen."
"Pass auf, noch ein Stückchen, dann haben wir sie.
"Ach Gänslein, ich lieb' dich, mich reizt
deine fette Gestalt …und gehst du nicht 'rüber,
dann mach ich dich kalt!"
"Mein Vater, mein Vater ..."
Auf einmal Krawall - der Scheinwerfer splittert, ein
Schrei und ein Knall - das Söhnchen erzittert. Vom
Blute färbt sich die Straße ganz rot, die arme Gans -
sie ist tot!
Der Vater, der flucht und schimpft nach dem Rutsch:
"Was nützt mir die Gans, meine Karre ist futsch!“
