Geschafft! 200.000 km mit meiner Big
Verfasst: 23.04.2020, 19:02
Geschafft! 200.000 km mit meiner Big
Meine Big Geschichte
Im März 1999 habe ich mir eine nagelneue DR Big bei einem Suzuki Händler für damals schlappe 9.000 DM gekauft. Es war ein Ladenhüter, und der Händler war anscheinend froh sie endlich loszuwerden. Ich hatte mit der Big eine große Reise vor und darum musste Sie erst noch ihre Zuverlässigkeit und Reisetauglichkeit beweisen. Das Motorrad wird danach auf den folgenden Reisen immer zu zweit gefahren mit meiner Frau hintendrauf und mir.
Gleich im August 1999 fuhren wir mit dem Motorrad durch England, Schottland über 10.000 km um auch die Reisetauglichkeit und Zuverlässigkeit des Motorrades zu testen. Danach baute ich eine gebrauchte BMW K100 RT Sitzbank drauf, härtere Gabelfedern und lies mir einen Aluminiumtank von der Firma Sauer in Oberkirch bauen. Also 45 Liter sollten schon reingehen sagte ich noch. Anscheinend hat es Herr Sauer doch etwas gut gemeint und am Ende gingen genau 60 Liter hinein. Wir hatten also eine Reichweite von 900 – 1.200 km. Ich dachte, wenn das Motorrad die große Reise im nächsten Jahr durchsteht, dann hat sie sich ja schon gelohnt. (Ich hätte damals nie davon geträumt mit ihr noch im Jahr 2020 die 200.000 km zu knacken)
Also im darauffolgenden Jahr die Big und etliche Utensilien nach Vancouver verschickt und im Juni ging die Reise los. Durch Kanada, Alaska die schönen Nationalparks in den USA. Die Big immer treu und zuverlässig. An einer LKW-Waage hatte ich mal das Motorrad mit uns abgewogen. Alles zusammen 500 kg. Auf dieser ca. 34.000 km lange Reise ging eigentlich nur der Kupplungszug kaputt. Leider mussten wir die Reise in Mexiko abbrechen, da der Hinterreifen sich geweitet hatte und auf gerader Straße das Motorrad ausbrach und es zum Sturz kam. Bei mir war dadurch mein Schlüsselbein gebrochen, bei meiner Frau Gott sei Dank nur das Bein etwas verdreht. Die Regenzeit kam und so war es nicht so schlimm diese Reise abzubrechen. Auf der Polizeistation wollten uns die Polizisten das Motorrad abkaufen aber wir schlugen das Angebot ab und die Big wurde nach Hause geschickt.
Die Jahre darauf wurde die Big jeden Sommer zu zweit für Urlaub genutzt: 1 mal durch Spanien 10.000 km und 1 mal Spanien & Portugal auch ca. 10.000 km, auf dem Landweg ans Schwarze Meer, Griechenland ca. 12.000 km und durch Norwegen, Finnland und Schweden ca.12.000 km.
2005 wurde das Motorrad nach Montreal verschifft, wo wir ca. 14.000 km in 6 Wochen fuhren. Wunderbar!: Neufundland, Prinz Edward Insel, Nova Scotia, allein um den Lake Superior fuhren wir in 5 Tagen 2.000 km. Auf dem Rückweg nach Montreal waren es noch genau 3.000 km als mir die Tachowelle riss. Also genau genommen hat die Big jetzt über 203.000 km und alle von mir gefahren.
2009 fuhren wir nach Island, da hatte die Big schon über 170.000 km. Alles wie immer problemlos mit dem Motorrad. Immer zuverlässig. Trotzdem kaufte ich 2009 mir eine neue Suzuki DL 650 V Strom um die Big zu entlasten. Danach wurde das Motorrad hauptsächlich als Wintermotorrad und zur Arbeit gefahren.
Natürlich wurden auch in der Nähe und in Europa wunderbare Urlaube gemacht. Wie immer mit Zelt und Gepäck. Einmal wurden die Neuen Bundesländer gefahren: allein über 7.000 km. Korsika Sardinien und Sizilien 10.000 km. „Ständig“ war die Big in den Alpen.
Schöne Geschichten!!!!:
z.B. als wir mal in Kanada im Yukon Gebiet 3 mal am gleichen Tag von 2 Motorradfahrern (2 Gold Wing Gespanne) überholt wurden und dann an einer Baustelle sie ungläubig um unser Motorrad liefen und schauten, fragten: müsst ihr eigentlich nicht Tanken? Meine Antwort: selten, es gehen ja ca. 16 Galonen in meinen Tank rein.
In Ost Kanada fuhr uns einmal ein Auto 200 km hinterher und hat nur gewartet bis wir endlich mal anhalten. Nur um unsere selbstgebauten 60 Liter Gepäckfässer anzuschauen.
Nach einem Urlaub in Frankreich hatte es mal auf der Heimfahrt so geregnet, dass wir nonstop 6 Stunden Heimfuhren. (Selbst unsere Blasen waren damals Fernreisetauglich).
Allerdings, trotz großem Tank sind wir auch einmal in Norwegen wegen Benzinmangel stehen geblieben. Genau am höchsten Punkt auf den Trollstigen. Wir ließen uns die vielen Kehren des Passes herunterrollen. Ich sehe noch genau das Bild, wie viele Deutsche Motorradfahrer winkend an uns vorbeifuhren und wir unten im Regenkombie das Motorrad schoben. Plötzlich hatte ich die Idee. Auf eine DIN A4 Seite Blatt Papier schrieb ich: „NO GAS“. Ich hielt es in Fahrtrichtung und schon bald bremste ein Auto. Ein Schwede, der auch im Urlaub war, schüttete seinen 5 Liter Ersatzkanister hinein und wollte dafür nichts.
Mal in Mexiko, da war der Tank ziemlich leer und ich tankte dann knapp 64 Liter. Ich sagte dem Tankwart, das könne nicht sein, da mein Tank weniger fasst. Er schaute auf die Anzeige, schüttelte den Kopf und lief um das Motorrad herum, schaute auf den Boden ob irgendetwas ausgelaufen ist. Er wusste verzweifelt keinen Rat und kratzte sich am Kopf. Der große Tank war mit Packtaschen bedeckt und so ist ihm das große Benzinfass nicht aufgefallen. Als ich ihm aber sagte es handle sich ca. um 4-5 Liter Mehranzeige, dann war er wieder beruhigt. Das liegt an seinem Chef, der nimmt es mit der Eichung nicht so genau.
Einmal, muss ich sagen, hat uns die Big doch fast im Stich gelassen. Es war nach der Fahrt mit der Fähre über den St. Lorenz Strom in Ostkanada. Angekommen am anderen Ufer des breiten Flusses, die Big sprang sofort wie immer an und wir fuhren aus der Fähre heraus in ziemlich dünnbesiedeltem Gebiet Richtung Westen. Auf ebener Fahrbahn und schnurgerader Strecke ging plötzlich das Motorrad aus. Die Zündkerzen bekamen anscheinend keinen Zündfunken. Also, alles mal abbauen: Zündspulen, Kupplungsschalter, Ständerschalter und Leerlauf überprüfen. Nichts gefunden. Hessler in Deutschland angerufen, gab mir den Tipp die Lichtmaschine durchzumessen. Scheinbar trotzdem alles gut. Wir haben ca. 6 Stunden lang den Fehler gesucht. Nichts gefunden. Ich hatte eine Ersatzlichtmaschine dabei, also Öl abgelassen, eingebaut, wieder keinen Muckser. Das Motorrad wieder zusammengebaut und nun standen wir da. Irgendwo in der Pampa in Labrador, sowieso kein Handy oder Smartphone, Tablet. (Haben wir übrigens auch heute nicht). Total hilflos, alleine, ein wirklich schreckliches und trostloses Gefühl. Was ich in meiner Macht tun konnte, habe ich getan. Ich war mit meinem Wissen und Tun am Ende. Meine Frau und ich sind überzeugte Christen. Und plötzlich sagte ich zu meiner Frau. Alles was wir noch tun können ist beten. Also betete ich, irgendwie so: Lieber Gott, du siehst wir sind hier am Ende. Ich kann nichts mehr tun. Darum bitten wir Dich um ein Wunder. Lass uns hier in dieser Pampa nicht alleine. Bitte hilf uns, für dich ist nichts unmöglich. Wir wurden still und alles um uns herum war so friedvoll. Wir zogen unsere Jacken an. Ich schaltete die Zündung ein und drückte auf den Startknopf. Und plötzlich, die Big sprang an. Gleichzeitig weinten wir beide und vor Ergriffenheit vielen wir uns in die Arme. Dieser Moment, das Gefühl für uns beide selbst in dieser Abgeschiedenheit nicht alleine zu sein und von Gott bewahrt, war unbeschreiblich. Wir waren dankbar, dass Gott nun unser Gebet erhört hatte. Das passierte ungefähr in der Hälfte der Reise, danach gab es keine Probleme mehr.
Übrigens, Gottes Bewahrung haben wir des Öfteren auf unseren Reisen immer wieder gespürt.
Besonders hervorzuheben ist die gute Fahrbarkeit der schweren Maschine im voll beladenen Zustand. Es wurden viele Schotterstraßen gefahren und wir kamen immer durch. Durch die bequeme Sitzbank und den sehr guten Kniewinkel ist diese Maschine super Reisetauglich. Später habe ich mir eine stärkere Feder im hinteren Stoßdämpfer gegönnt, was ab der Ost Kanadareise eine gute Verbesserung war.
Gewechselt wurden von mir 3 Ausgleicherketten, 1 Steuerkettenspanner, 2 Steuerketten, mal ein Hinterrad das zwischen den Speichen durchgerissen war und das Hinterrad von Mexiko, welches einen großen Schlag hatte. Später mal der Ausgleicherkettenspanner mit dem Zahnrad. Der Motor wurde nie geöffnet, der Kolben, Zylinder, Nockenwelle, alles noch original. Der Ölverbrauch liegt im Moment bei ca. 0,3 Liter auf 1.000 km. Die vorherigen Jahre war es mehr (bis 1,5 Liter) aber seit meiner letzten Inspektion mit Entlüftungsschlauchwechsel und Reinigung des Öl Siebes, eben weniger. 2006 war die Auspuffanlage sehr gerostet und ich wechselte auf einen rostfreien Laser Auspuff.
Die Big habe ich original wieder zurückgebaut, der 24 Liter Tank reicht für die jetzigen Fahrten allemal. Besonders damals in der Nordamerikareise war der große Tank ein beruhigendes Zubehör in dem wenig besiedelten Land. An Tankstellen gab es öfters mal die Information: nächste Tankstelle erst in ca. 400 -500 km. Alleine könnte man einen Zusatzkanister mitnehmen, aber zu zweit mit dem Gepäck war es damals unmöglich.
Am Anfang, als ich die Big kaufte, hätte ich nie erwartet wie zuverlässig dieses Motorrad einmal sein würde. Es war eines der letzten gebauten Modelle und ausgereift. Ich konnte alles immer selber machen und diese Technik ist einfach und überschaubar.
Vor 4 Jahren kaufte ich mir eine Honda CRF 1000 Afrika Twin. Im ersten Jahr kam dann eine Fehlermeldung und das Motorrad fuhr langsam mit schlechter Gasannahme. Auf Garantie wurde der Mapp Sensor gewechselt. Alles wieder gut. Aber das sichere Gefühl wie auf der Big, mit der ich zig Tausende km zuverlässig gefahren bin, ist in meinem Kopf noch nicht drin.
Wenn ich irgendwann mal ab und zu mit der Big fahre, da kommt wieder das vertraute Gefühl, der angenehme pochende Klang erinnert mich an Freiheit und Abenteuer. An die schönen Zeiten die wir zusammen erlebt haben!
Schöne Grüße an alle die auch gerne die alte DR Big fahren.

Unterwegs in Alaska

Ziemlich breit mit den selbstgebauten 60 l Koffern
Unterwegs in Ostkanada

200.000 km Jetzt ist die Big fast wieder wie neu

Original wieder zurück gebaut für den Alltag
Meine Big Geschichte
Im März 1999 habe ich mir eine nagelneue DR Big bei einem Suzuki Händler für damals schlappe 9.000 DM gekauft. Es war ein Ladenhüter, und der Händler war anscheinend froh sie endlich loszuwerden. Ich hatte mit der Big eine große Reise vor und darum musste Sie erst noch ihre Zuverlässigkeit und Reisetauglichkeit beweisen. Das Motorrad wird danach auf den folgenden Reisen immer zu zweit gefahren mit meiner Frau hintendrauf und mir.
Gleich im August 1999 fuhren wir mit dem Motorrad durch England, Schottland über 10.000 km um auch die Reisetauglichkeit und Zuverlässigkeit des Motorrades zu testen. Danach baute ich eine gebrauchte BMW K100 RT Sitzbank drauf, härtere Gabelfedern und lies mir einen Aluminiumtank von der Firma Sauer in Oberkirch bauen. Also 45 Liter sollten schon reingehen sagte ich noch. Anscheinend hat es Herr Sauer doch etwas gut gemeint und am Ende gingen genau 60 Liter hinein. Wir hatten also eine Reichweite von 900 – 1.200 km. Ich dachte, wenn das Motorrad die große Reise im nächsten Jahr durchsteht, dann hat sie sich ja schon gelohnt. (Ich hätte damals nie davon geträumt mit ihr noch im Jahr 2020 die 200.000 km zu knacken)
Also im darauffolgenden Jahr die Big und etliche Utensilien nach Vancouver verschickt und im Juni ging die Reise los. Durch Kanada, Alaska die schönen Nationalparks in den USA. Die Big immer treu und zuverlässig. An einer LKW-Waage hatte ich mal das Motorrad mit uns abgewogen. Alles zusammen 500 kg. Auf dieser ca. 34.000 km lange Reise ging eigentlich nur der Kupplungszug kaputt. Leider mussten wir die Reise in Mexiko abbrechen, da der Hinterreifen sich geweitet hatte und auf gerader Straße das Motorrad ausbrach und es zum Sturz kam. Bei mir war dadurch mein Schlüsselbein gebrochen, bei meiner Frau Gott sei Dank nur das Bein etwas verdreht. Die Regenzeit kam und so war es nicht so schlimm diese Reise abzubrechen. Auf der Polizeistation wollten uns die Polizisten das Motorrad abkaufen aber wir schlugen das Angebot ab und die Big wurde nach Hause geschickt.
Die Jahre darauf wurde die Big jeden Sommer zu zweit für Urlaub genutzt: 1 mal durch Spanien 10.000 km und 1 mal Spanien & Portugal auch ca. 10.000 km, auf dem Landweg ans Schwarze Meer, Griechenland ca. 12.000 km und durch Norwegen, Finnland und Schweden ca.12.000 km.
2005 wurde das Motorrad nach Montreal verschifft, wo wir ca. 14.000 km in 6 Wochen fuhren. Wunderbar!: Neufundland, Prinz Edward Insel, Nova Scotia, allein um den Lake Superior fuhren wir in 5 Tagen 2.000 km. Auf dem Rückweg nach Montreal waren es noch genau 3.000 km als mir die Tachowelle riss. Also genau genommen hat die Big jetzt über 203.000 km und alle von mir gefahren.
2009 fuhren wir nach Island, da hatte die Big schon über 170.000 km. Alles wie immer problemlos mit dem Motorrad. Immer zuverlässig. Trotzdem kaufte ich 2009 mir eine neue Suzuki DL 650 V Strom um die Big zu entlasten. Danach wurde das Motorrad hauptsächlich als Wintermotorrad und zur Arbeit gefahren.
Natürlich wurden auch in der Nähe und in Europa wunderbare Urlaube gemacht. Wie immer mit Zelt und Gepäck. Einmal wurden die Neuen Bundesländer gefahren: allein über 7.000 km. Korsika Sardinien und Sizilien 10.000 km. „Ständig“ war die Big in den Alpen.
Schöne Geschichten!!!!:
z.B. als wir mal in Kanada im Yukon Gebiet 3 mal am gleichen Tag von 2 Motorradfahrern (2 Gold Wing Gespanne) überholt wurden und dann an einer Baustelle sie ungläubig um unser Motorrad liefen und schauten, fragten: müsst ihr eigentlich nicht Tanken? Meine Antwort: selten, es gehen ja ca. 16 Galonen in meinen Tank rein.
In Ost Kanada fuhr uns einmal ein Auto 200 km hinterher und hat nur gewartet bis wir endlich mal anhalten. Nur um unsere selbstgebauten 60 Liter Gepäckfässer anzuschauen.
Nach einem Urlaub in Frankreich hatte es mal auf der Heimfahrt so geregnet, dass wir nonstop 6 Stunden Heimfuhren. (Selbst unsere Blasen waren damals Fernreisetauglich).
Allerdings, trotz großem Tank sind wir auch einmal in Norwegen wegen Benzinmangel stehen geblieben. Genau am höchsten Punkt auf den Trollstigen. Wir ließen uns die vielen Kehren des Passes herunterrollen. Ich sehe noch genau das Bild, wie viele Deutsche Motorradfahrer winkend an uns vorbeifuhren und wir unten im Regenkombie das Motorrad schoben. Plötzlich hatte ich die Idee. Auf eine DIN A4 Seite Blatt Papier schrieb ich: „NO GAS“. Ich hielt es in Fahrtrichtung und schon bald bremste ein Auto. Ein Schwede, der auch im Urlaub war, schüttete seinen 5 Liter Ersatzkanister hinein und wollte dafür nichts.
Mal in Mexiko, da war der Tank ziemlich leer und ich tankte dann knapp 64 Liter. Ich sagte dem Tankwart, das könne nicht sein, da mein Tank weniger fasst. Er schaute auf die Anzeige, schüttelte den Kopf und lief um das Motorrad herum, schaute auf den Boden ob irgendetwas ausgelaufen ist. Er wusste verzweifelt keinen Rat und kratzte sich am Kopf. Der große Tank war mit Packtaschen bedeckt und so ist ihm das große Benzinfass nicht aufgefallen. Als ich ihm aber sagte es handle sich ca. um 4-5 Liter Mehranzeige, dann war er wieder beruhigt. Das liegt an seinem Chef, der nimmt es mit der Eichung nicht so genau.
Einmal, muss ich sagen, hat uns die Big doch fast im Stich gelassen. Es war nach der Fahrt mit der Fähre über den St. Lorenz Strom in Ostkanada. Angekommen am anderen Ufer des breiten Flusses, die Big sprang sofort wie immer an und wir fuhren aus der Fähre heraus in ziemlich dünnbesiedeltem Gebiet Richtung Westen. Auf ebener Fahrbahn und schnurgerader Strecke ging plötzlich das Motorrad aus. Die Zündkerzen bekamen anscheinend keinen Zündfunken. Also, alles mal abbauen: Zündspulen, Kupplungsschalter, Ständerschalter und Leerlauf überprüfen. Nichts gefunden. Hessler in Deutschland angerufen, gab mir den Tipp die Lichtmaschine durchzumessen. Scheinbar trotzdem alles gut. Wir haben ca. 6 Stunden lang den Fehler gesucht. Nichts gefunden. Ich hatte eine Ersatzlichtmaschine dabei, also Öl abgelassen, eingebaut, wieder keinen Muckser. Das Motorrad wieder zusammengebaut und nun standen wir da. Irgendwo in der Pampa in Labrador, sowieso kein Handy oder Smartphone, Tablet. (Haben wir übrigens auch heute nicht). Total hilflos, alleine, ein wirklich schreckliches und trostloses Gefühl. Was ich in meiner Macht tun konnte, habe ich getan. Ich war mit meinem Wissen und Tun am Ende. Meine Frau und ich sind überzeugte Christen. Und plötzlich sagte ich zu meiner Frau. Alles was wir noch tun können ist beten. Also betete ich, irgendwie so: Lieber Gott, du siehst wir sind hier am Ende. Ich kann nichts mehr tun. Darum bitten wir Dich um ein Wunder. Lass uns hier in dieser Pampa nicht alleine. Bitte hilf uns, für dich ist nichts unmöglich. Wir wurden still und alles um uns herum war so friedvoll. Wir zogen unsere Jacken an. Ich schaltete die Zündung ein und drückte auf den Startknopf. Und plötzlich, die Big sprang an. Gleichzeitig weinten wir beide und vor Ergriffenheit vielen wir uns in die Arme. Dieser Moment, das Gefühl für uns beide selbst in dieser Abgeschiedenheit nicht alleine zu sein und von Gott bewahrt, war unbeschreiblich. Wir waren dankbar, dass Gott nun unser Gebet erhört hatte. Das passierte ungefähr in der Hälfte der Reise, danach gab es keine Probleme mehr.
Übrigens, Gottes Bewahrung haben wir des Öfteren auf unseren Reisen immer wieder gespürt.
Besonders hervorzuheben ist die gute Fahrbarkeit der schweren Maschine im voll beladenen Zustand. Es wurden viele Schotterstraßen gefahren und wir kamen immer durch. Durch die bequeme Sitzbank und den sehr guten Kniewinkel ist diese Maschine super Reisetauglich. Später habe ich mir eine stärkere Feder im hinteren Stoßdämpfer gegönnt, was ab der Ost Kanadareise eine gute Verbesserung war.
Gewechselt wurden von mir 3 Ausgleicherketten, 1 Steuerkettenspanner, 2 Steuerketten, mal ein Hinterrad das zwischen den Speichen durchgerissen war und das Hinterrad von Mexiko, welches einen großen Schlag hatte. Später mal der Ausgleicherkettenspanner mit dem Zahnrad. Der Motor wurde nie geöffnet, der Kolben, Zylinder, Nockenwelle, alles noch original. Der Ölverbrauch liegt im Moment bei ca. 0,3 Liter auf 1.000 km. Die vorherigen Jahre war es mehr (bis 1,5 Liter) aber seit meiner letzten Inspektion mit Entlüftungsschlauchwechsel und Reinigung des Öl Siebes, eben weniger. 2006 war die Auspuffanlage sehr gerostet und ich wechselte auf einen rostfreien Laser Auspuff.
Die Big habe ich original wieder zurückgebaut, der 24 Liter Tank reicht für die jetzigen Fahrten allemal. Besonders damals in der Nordamerikareise war der große Tank ein beruhigendes Zubehör in dem wenig besiedelten Land. An Tankstellen gab es öfters mal die Information: nächste Tankstelle erst in ca. 400 -500 km. Alleine könnte man einen Zusatzkanister mitnehmen, aber zu zweit mit dem Gepäck war es damals unmöglich.
Am Anfang, als ich die Big kaufte, hätte ich nie erwartet wie zuverlässig dieses Motorrad einmal sein würde. Es war eines der letzten gebauten Modelle und ausgereift. Ich konnte alles immer selber machen und diese Technik ist einfach und überschaubar.
Vor 4 Jahren kaufte ich mir eine Honda CRF 1000 Afrika Twin. Im ersten Jahr kam dann eine Fehlermeldung und das Motorrad fuhr langsam mit schlechter Gasannahme. Auf Garantie wurde der Mapp Sensor gewechselt. Alles wieder gut. Aber das sichere Gefühl wie auf der Big, mit der ich zig Tausende km zuverlässig gefahren bin, ist in meinem Kopf noch nicht drin.
Wenn ich irgendwann mal ab und zu mit der Big fahre, da kommt wieder das vertraute Gefühl, der angenehme pochende Klang erinnert mich an Freiheit und Abenteuer. An die schönen Zeiten die wir zusammen erlebt haben!
Schöne Grüße an alle die auch gerne die alte DR Big fahren.

Unterwegs in Alaska

Ziemlich breit mit den selbstgebauten 60 l Koffern
Unterwegs in Ostkanada

200.000 km Jetzt ist die Big fast wieder wie neu

Original wieder zurück gebaut für den Alltag